Gebet zum hl. Josef

Heiliger Josef, ich gestehe, dass ich mich nicht oft – fast gar nie – an Dich wende.
Bitte, verzeih mir, aber Du kennst ja das Dasein im Schatten.
An Deinem Fest heute aber möchte ich zu Dir kommen.

Heiliger Josef, Du stehst im Schatten,
ja fast im Dunkel – obwohl Du ganz nahe bei dem bist,
der das Licht der Welt ist und nahe bei seiner hell leuchtenden Mutter.

Du wehrst Dich nicht gegen das Dasein im Schatten.
Lehre uns auszuhalten,
wenn wir übergangen und übersehen werden.
Ja, lehre es uns zu lieben.

Heiliger Josef, die Evangelisten hielten Dich nicht für sehr wichtig im Gang der Heilsgeschichte,
sonst hätten sie mehr über Dich geschrieben.
Vielleicht aber haben sie Dich als kleine Perle verborgen,
damit Dich nur diejenigen finden,
die einen Blick haben für die kleinen Perlen.

Heiliger Josef, nach der Bibel wandte Gott sich vor allem im Traum an Dich.
Er sagte Dir im Traum, was Du tun sollst.
Hilf, dass wir auf alles achten,
was Gott uns sagen will, ob wir nun wachen oder schlafen.

Heiliger Josef, Du hast das Unangenehme getan, das Gott von Dir wollte:
Du hast Deine Braut, die gesegneten Leibes war, zu Dir genommen,
obwohl Du schief angeschaut wurdest,
obwohl man über Dich munkelte,
obwohl Du Freunde und Ansehen verloren hast.
Hilf uns, Gottes Wort zu tun, auch wenn es weh tut.

Heiliger Josef, Du hast Heimat, Arbeit, Sicherheit verlassen,
weil der Sohn, der nicht Dein Sohn war, Deiner bedurfte.
Du hast nicht geflucht, nicht gemurrt, nicht gezögert,
Du hast anscheinend schweigend den Esel und den Wanderstab genommen
und hast Mutter und Sohn Sicherheit geschenkt auf dem langen Weg nach Ägypten.

Heiliger Josef, Du hast Maria, Deine Braut geliebt.
Du hast begonnen, sie zu lieben,
denn sie war Dir ja von Deinen Eltern als Braut gegeben worden,
und dann kam es anders.
Hier können wir Dich am wenigsten verstehen,
denn hier bist Du am nächsten bei Gott, der unverständlich ist.
Dennoch, Deine Liebe zu Maria, Deiner Braut,
muss groß gewesen sein – von Tag zu Tag größer.
Denn schließlich bist Du ein Heiliger, dessen größte Tugend die Liebe ist.

Heiliger Josef, lehre uns die Liebe,
die Liebe zu allen Menschen.
Lehre uns, dass man nicht alles haben muss, was man liebt;
lehre uns die Liebe, die gibt.
Lehre uns die Liebe, die verzichtet.
Lehre uns die Liebe, die brennt und wehtut.
Lehre uns die einzige Liebe, die wirkliche Liebe ist.

Heiliger Josef, zeige allen den Weg, die sich verirrt haben,
bitte für sie bei Jesus, dem Sohn Gottes.
Lehre uns in unserer liebeshungrigen Zeit die wahre Liebe.

Heiliger Josef,
Du bist im Laufe der Kirchengeschichte fast untergegangen.
Es kamen die Großen der Kirche,
die Säulen Petrus und Paulus, die Martyrer Stephanus und Laurentius,
die Weisen Augustinus und Ambrosius, die Gelehrten Thomas von Aquin und Dominikus,
die Reformer Franz von Assisi und Ignatius von Loyola,
die heiligen Kirchenlehrerinnen Katharina von Siena und Teresa von Avila,
und es kamen die Heiligen unserer Tage:
Edith Stein und Maximilian Kolbe.
Wer denkt da noch an den Mann im Schatten,
von dem man nichts weiß, Josef von Nazareth?

Sei uns nicht böse, heiliger Josef,
dass alle Versuche, Dich ins Licht zu ziehen,
immer wieder schief gehen.
Auch die Arbeiter und Handwerker heute
werden sich kaum nach Dir richten,
und auch der Platz im Hochgebet der Kirche
wird Dir nicht viel nutzen.

Heiliger Josef, Du willst gar nicht aus dem Schatten und Dunkel.
Lehre mich, lehre uns,
den Applaus, das Rampenlicht der Öffentlichkeit,
die Hochrufe nicht mehr zu suchen.
Es ist ja so schwer,
denn wir alle haben ja so Sehnsucht
nach Anerkennung und ein wenig Lob.

Heiliger Josef, lehre uns,
dass dies alles von Jesus wegfuhrt,
dass zu Jesus und seinem Vater nur kommt,
wer den Schatten und das Dunkel annimmt,
ja liebt und sucht.

Heiliger Josef,
hilf uns ja sagen zum Platz
im Schatten und Dunkel. Amen.

P. Eberhard von Gemmingen SJ
Radio Vatican, 19. März 1991 

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