4. Ostersonntag | Predigtimpuls

Predigt 4. Ostersonntag 2026

26. April 2026 | Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt | Kelheim

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

ein ungeheuer aktuelles Evangelium haben wir gerade gehört. Auf den ersten Blick ist es uns natürlich vertraut und wir wissen: Am vierten Ostersonntag hören wir einen Abschnitt aus dem zehnten Kapitel des Johannesevangeliums, mit der Rede vom „Guten Hirten“, aber es ist hoch aktuell am Anfang dachte ich es ist vielleicht schon alles dazu gesagt aber dann habe ich mich an meinen Predigtlehrer P. Albert Keller SJ erinnert, der uns immer sagte: Du musst etwas aktuelles finden, woran du anknüpfen kannst und dabei ist mir aufgefallen, dass dieses Evangelium eine ungeheure Sprengkraft hat. Vor ein paar Wochen haben wir eine unsägliche Auseinandersetzung miterlebt zwischen dem amerikanischen Präsidenten und Papst Leo XIV., weil Papst Leo zum Frieden gemahnt hat ohne ihn zu nennen hat sich der amerikanische Präsident davon angesprochen gefühlt und mit derben Worten, wie er es üblich macht, zurückgeschlagen und sich in der Stärke gewähnt. Selbst sein Stellvertreter hat noch draufgelegt und Papst Leo XIV. sogar die theologische Kompetenz abgeschrieben. Eine ziemliche Dreistigkeit, wie ich meine, aber Papst Leo hat nicht zurückgeschlagen.

Da habe ich mich nochmal auf die Suche gemacht, was der Auslöser dieser Verwirrungen war. Dabei ist mir ein Satz von Papst Leo in seiner Gebetsvigil für den Frieden am elften April in den Sinn gekommen. Ein Satz, der genau zum heutigen Evangelium passt: „Wahre Stärke zeigt sich, wenn sie dem Leben dient!“ Das ist die richtig und es ist auch, was der gute Hirte macht, das ist es, was Jesus seinen Freunden nahe liegt. „Wahre Stärke zeigt sich, wenn sie dem Leben dient, wenn sie also nicht niederschlägt und vernichtet und zerstört, sondern wenn sie die Kraft hat, aufzubauen, zu ermutigen Leben ja, Jesus spricht von Leben in Fülle zu schenken, das ist unser ureigenster Auftrag als Christen, liebe Schwestern und Brüder, dass wir dem Leben dienen, dass wir uns und anderen Lebensraum aus dem Glauben heraus ermöglichen.

Darin zeigt sich unsere Stärke, nicht kraftprotzerisch sich selbst darstellen, sondern im Dienst für den Anderen. Das ist es, was der gute Hirte macht, was ihn auszeichnet, er sorgt um sich seine Schafe. Es geht ihm nicht nur den Profit, den man machen kann, es geht nicht darum, nur möglichst schnell möglichst viel zu verdienen, sondern gerade bei Hirte und Schafe ist es immer auch eine persönliche Beziehung. Wir haben davon gehört, die Schafe hören auf seine Stimme, sie kennen ihn, sie wissen um die Vertrautheit, das Miteinander, und da ist mir Immanuel Kant mit seinem Blick auf das Alte Testament eingefallen. Er sagt, dass vielleicht das wichtigste Buch des Alten Testamentes, der 23. Psalm sei und darin besonders das Wort „ich bin bei dir“.

Es ist übrigens das gleiche Wort in etwas veränderter Form, das damals Mose, als er die Schafe seines Schwiegervaters Jitro in der Steppe von Midian weidete. Und als plötzlich in der Nähe des Sinai einen brennenden Dornbusch sah, als gespürt hat, da ist heiliger Boden und sich niederwarf, weil gespürt hat: Gott selbst ist da, und dieser Gott aus dem Dornbusch hat ihm gesagt: „Ich bin der, der bei dir ist, ich bin der, der immer mit dir ist“. Und das liebe Schwestern und Brüder, hat diesen Mose die Kraft gegeben zum Pharao zu gehen und das Volk Israel – ohne Kampf wohlgemerkt – in die Freiheit zu führen, also in einen neuen Lebensraum. „Wahre Stärke“, so hat es Papst Leo gesagt, „zeigt sich, wenn sie dem Leben dient.“ Und Mose ist diesem Leben gefolgt bis hinauf auf den Sinai, als er die zehn Gebote, die Lebensregeln für das Volk Israel herunterbrachte von Gott, um ihnen zu zeigen, wie das miteinander, wie gelingende Gesellschaft funktionieren kann. Ein Auftrag auch an uns, dass wir dem Leben dienen, uns und anderen Lebensraum ermöglichen, nicht im gegeneinander, sondern im Miteinander fördern, im Fördern der Freiheit des Einzelnen, im Blick auf die Gemeinschaft und das miteinander auf der Grundlage unseres Glaubens, dann können wir wirklich unserer Gesellschaft, wie ich meine, einen ganz wertvollen Dienst erweisen, dann kann unsere Gesellschaft von unseren Glauben etwas lernen, nicht, dass wir uns darüber erheben, aber dass wir gleichsam von unten eine Grundlage für das Miteinander, für das Leben, ja, wie es Jesus sagt, für ein Leben in Fülle.

Reinhard Röhrner

Reinhard Röhrner

Predigt als PDF: A Ostern – Ostersonntag 4 – Predigt

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