Respice Domine | Lektionar I/A, 306: 1 Kön 19,9a.11–13a | Röm 9,1–5 | Mt 14,22–33
Wie ein dekoratives Beiwerk erscheint vielen Religion, Glaube und Gottesdienst. Es erscheint vielen Zeitgenossen als entbehrlich. Papst Leo XIV sagte kürzlich beim Angelusgebet: „In effizienz- und konsumorientierten Zeiten erscheint Beten vielen als unnütz und lächerlich. Das Beten ist eine zentrale Dimension des Menschseins, die es verdient, wiederentdeckt zu werden.“
Im Beten kann ich zu mir selbst und zu Gott finden. Jesus lebt das seinen Freunden vor, wenn er sich in all den Erwartungen und Ansprüchen der Welt Zeit für die Stille und das Gebet nimmt. Heilsame Stille, die uns zur Ruhe kommen lässt und neue Kraft schenkt in der Begegnung mit Gott.
Rufen wir zu ihm, unserem Herrn, dem Kyrios:
Kyrie | mit GL
Herr, Jesus Christus,
oft überhören wir dich im Trubel der Welt. Kyrie eleison.
In der Stille willst du uns begegnen. Christe eleison.
Du schenkst aus der Tiefe der Stille neue Kraft. Kyrie eleison.
Gloria | Tagesgebet | MB 229
Allmächtiger Gott,
wir dürfen dich Vater nennen,
denn du hast uns an Kindes statt angenommen
und uns den Geist deines Sohnes gesandt.
Gib, dass wir in diesem Geist wachsen
und einst das verheißene Erbe empfangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus,
Deinen Sohn, unseren Herrn und Erlöser,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. AMEN.
Fürbitten
Im Beten findet der Mensch zu Gott und sich selbst. Rufen wir betend zu unserem Gott, der uns hört und beistehen will:
- Ermutige Menschen, sich Pausen zu gönnen,
die helfen zu sich und zu Gott zu finden
und neue Kraft für die Herausforderungen schenken.
Christus, höre uns. | Christus, erhöre uns - Petrus hört das Wort Jesu Komm.
Stärke alle Menschen, die sich auf einen Weg im Glauben machen,
dass sie gute Begleiter finden. - Strecke deine Hand aus,
wenn Menschen unterzugehen drohen
und rette sie aus ausweglosen Situationen. - Steh den Menschen bei, die unter Terror und Krieg leiden,
dass Friede und Versöhnung Wirklichkeit wird
und sie neu aufatmen können. - Nimm die Sterbenden und Verstorbenen in deine Liebe auf
und tröste alle Trauernden mit der Erfahrung deiner Gegenwart.
Du bist bei uns in den Unsicherheiten des Lebens und steckst uns deine Hand entgegen. Dir sei Lob und Dank in alle Ewigkeit. AMEN.
Schlussgebet | MB
Barmherziger Gott,
wir haben
den Leib und das Blut deines Sohnes empfangen.
Das heilige Sakrament bringe uns Heil,
es erhalte uns in der Wahrheit
und sei unser Licht in der Finsternis.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. AMEN.
Hinführung zur ersten Lesung | 1 Kön 19,9a.11–13a
Viele Menschen suchen große Momente
in spektakulären Erfahrungen.
Heute hören wir vom Propheten Elija,
der eine intensive Gottesbegegnung macht,
die seinem Leben neue Kraft verleiht.
Ganz in der Stille,
in der „Stimme verschwebenden Schweigens“
wie es Martin Buber übersetzt.
Hinführung zur zweiten Lesung | Röm 9,1–5
Der Apostel Paulus wurde als Jude erzogen,
ein pharisäischer Rabbiner.
So tut es ihm im Innersten weh,
wenn er sieht wie seine Glaubensgenossen
in Jesus nicht den Messias erkennen.
Paulus wertet die Juden nicht ab,
er gibt seiner Trauer Ausdruck.
Lesehinweis
Elija – Betonung auf dem i
Meditation
Im heftigen Sturm,
der die Berge zerriss,
war ER nicht.
Im Erdbeben,
das die Erde aufreißt,
war ER nicht.
Im gewaltigen Feuer,
das alles verbrennt,
war ER nicht.
In der leisen Stille,
wenn alles vorüber ist,
kommt Gott selbst.
Er muss seine Macht nicht beweisen,
er ist so groß,
dass er das nicht nötig hat.
Wir dürfen ihn erfahren,
wo wir ganz offen sind
für ihn und seine Begegnung.
In unserem Innern
wird er uns begegnen,
überraschend,
unaufdringlich
und voller Zärtlichkeit.
Reinhard Röhrner
Meditation | Alternative
Beeindruckend,
was für ein Mann der Tat
dieser Petrus.
Beeindruckend der Mut,
den er an den Tag legt,
wenn er nur auf das Wort Jesu hin
sich auf das Wasser traut.
Unsicheres Terrain beschreitet er,
ja auf Unmögliches lässt er sich ein
ganz im Blick auf Jesus,
seinen Herrn,
wird es Wirklichkeit.
Die Unsicherheit des Wassers verschwindet.
Da merkt er plötzlich
wie Winde und Wasser
seine Sicherheit rauben,
er unterzugehen droht.
Mutig, weil er den ruft,
der ihn retten kann.
Jesus ergreift ihn
zieht ihn aus der Tiefe.
In der Unsicherheit des Alltags,
sich an Gott auszurichten
ihn zum Gefährten machen
heißt mutig sein im Glauben.
Reinhard Röhrner
