Predigt Christi Himmelfahrt | 14. Mai 2026
Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt | Kelheim
In Ascensione Domini | Lektionar I/A, 200: Apg 1,1–11 | Eph 1,17–23 | Mt 28,16–20
Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,
eingangs hat uns die Choralschola, das „Viri Galilaei“, „Ihr Männer von Galiläa“, gesungen, den lateinischen Introitus zum heutigen Fest Christi Himmelfahrt. Eine Herausforderung, eigentlich beinahe eine kleine Unverschämtheit dieses Gottes. Gerade noch gewöhnen sich die Jünger daran, dass der Auferstandene ihnen immer wieder erscheint, dass er ihnen auf besondere Weise nahe ist, dass sie so immer mehr überzeugt sind, dass er wirklich auferstanden ist. Da wird er ihnen wieder weggenommen.
Wie bei uns am Altar. Im Hochaltar plötzlich klafft eine Leere. Nur noch die goldene Rückwand ist da. Der Auferstandene ist unseren Blicken entzogen. In der vor allem barocken Inszenierung der Liturgie hat man gern den Auferstandenen an Christi Himmelfahrt mit Seilzügen durch die Kirchendecke gezogen. Um es greifbar zu machen, was wir feiern: Gerade noch sahen wir ihn, jetzt ist er unseren Augen genommen, zumindest oberhalb der Kirchendecke, meist wurde er durch das Heilig-Geist-Loch gezogen, wo an Pfingsten dann eine Taube als Symbol für den göttlichen Geist herabkam.
Christi Himmelfahrt keine Vorgangsbeschreibung. Es ist ein richtiger Exhortativ, eine Aufforderung an uns. Wie es schon mit dem Begriff, mit dem Hinweis an die Männer von Galiläa in der Apostelgeschichte war: „Ihr Männer von Galiläa, was starrt ihr zum Himmel?“ Nein, heute ist kein Tag, zum Himmel oder nach oben einfach zu schauen, sondern es ist ein Tag, der uns ermuntert, nach vorne zu blicken. Nach vorne zu blicken und das, was wir vom Glauben verstanden haben, anderen weiter zu erzählen.
Geht und macht alle Menschen überall auf der Welt zu meinen Jüngern. Das ist Jesu Auftrag. Und seid gewiss, ich bin bei euch alle Tage, bis zum Ende der Welt. Dann verschwindet er. Damit bricht das Evangelium des Matthäus ab. Es ist der letzte Satz des Evangeliums, diese Gewissheit, dass der, den die Jünger gerade haben auffahren sehen oder was auch immer sie erlebt haben, ihnen auf ganz besondere Weise nahe ist.
Der Theologe Hans-Urs von Balthasar hat einmal geschrieben: „Die Theologen müssen sich an den Liebenden orientieren, denn sie hätten vielleicht die größte Ahnung von Gott.“ Vielleicht ist es genau das, dass der Himmel nicht irgendwo so ist, an einem Ort, den man festmachen könnte, sondern eben genau diese Erfahrung liebender Verbundenheit. Liebender Verbundenheit mit Gott, mit einer Verbundenheit, die ermutigt. Das, was ich von Gott verstanden habe, weiter zu erzählen. Ein Missionar auch in unserer Welt und unserer Gesellschaft, mitten im Alltag zu sein. Wie der Gründer von Taizé Frere Roger sagte: „Erzähle das, was du vom Glauben verstanden hast, auch wenn es ganz wenig sein sollte.“
Nicht in den Himmel zu starren und ein mächtiges Zeichen, eine Veränderung von Gott zu erwarten, sondern sich darauf zu besinnen, dass Gott ja bei mir ist, dass er immer bei mir sein will und dass er mir Mut macht. Dass ich in meinen Begegnungen Gott zu den Menschen trage. Dass ich andere dafür sensibilisiere, wo sie im Alltag Gott erfahren und erleben können.
Dann ist Himmelfahrt, vor allem Christi Himmelfahrt, ein Fest, das mich meint. Das mich meint und ernst nimmt mit meinem Osterglauben. Das mich ernst nimmt, dass ich diesen Glauben, den ich als tragend erlebt und erfahren habe, anderen weitererzähle. Und das Schöne am Glauben weitererzählen ist es ja, liebe Schwestern und Brüder, dass wir uns dabei selber stärken können.
Weil wir dann, wenn wir den Glauben für uns formulieren, plötzlich entdecken, was wir an Schätzen des Glaubens in uns tragen. Und im guten, glaubensnahen Gespräch können wir uns gegenseitig in diesem Glauben bestärken. Dann kann es eine feste Erfahrung unseres Lebens werden, dass Gott in meinem Leben, in meinem Alltag vorkommt, ja, dass er durch mich immer wieder in die Welt kommt. Dann wird lebendig, was der Evangelist an das Ende seiner Frohbotschaft setzt: „Seid gewiss, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Amen.
Reinhard Röhrner
Predigt als PDF:
A Ostern – Christi Himmelfahrt – Predigt 20260514
