3. Ostersonntag | Predigtimpuls

Predigt 3. Ostersonntag 2026

19. April 2026 | Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt | Kelheim

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,
wir haben wieder eine Ostergeschichte und wieder ganz anders als die, die wir in den letzten Sonntagen und an den Ostertagen gehört. Zeimal begegnet uns heute Petrus, aber völlig anders. In der Pfingstpredigt, in der Apostelgeschichte, die wir in der ersten Lesung in einen Ausschnitt gehört haben, da tritt er kraftvoll überzeugt auf und verkündet die Botschaft des Auferstandenen. Im Evangelium, dem sogenannten zweiten Johannesschluss, der ein wenig schnell angefügt erscheint. Schon seit den frühesten Handschriften des Johannesevangeliums gehört dieses 21. Kapitel auch zum Evangelientext. Es hat ein paar Auffälligkeiten, zum Beispiel wird der See Genezareth, hier See von Tiberias genannt, was darauf hindeutet, dass es eine spätere Niederschrift ist. Denn Tiberias ist die große Stadt über dem See Genezareth, über dem Kraterrand dieses erloschenen Vulkans, in dem der See Genezareth ist. Und es ist die römische Stadt. Es ist also vermutlich schon in der Zeit abgefasst, als die Römer ganz und gar das Sagen hatten, nach dem Fiasko von 70 nach Christus, in dem Jerusalem zerstört worden ist.

Aber heute erleben wir zuerst die Jünger ganz am Ende. Sie haben alle ihre Hoffnung auf diesen Jesus gesetzt. Sie haben alles daran gesetzt und ihr Leben völlig umgekrempelt. Drei Jahre sind sie mit diesem Wanderprediger durch die Lande gezogen und haben auf eine ganz neue Art und Weise von Gottes Liebe zu den Menschen ihn erzählen hören und das mit ihm auch gelebt. Und dann erleben sie nach dem fulminanten Einzug am Palmsonntag, wie Jesus abgelehnt und verworfen wird, wie er schließlich ans Kreuz geschlagen wird und vor ihren Augen stirbt.

Alle Hoffnung zunichte, alles war umsonst. Was sich noch so schön angehört hat, was noch so prächtig geklungen hat, alles war vorbei. Und dann am Ostermorgen die neue Unsicherheit. Nicht einmal mehr ein Grab haben sie. Nicht mal mehr den Leichnam wissen sie sicher an einem bestimmten Ort, wo sie mit all ihrer Trauer, ihrem Entsetzen, ihrer Ohnmacht und Hilflosigkeit hingehen könnten. Ganz entwurzelt oder modern gesprochen auch ausgebrannt ganz am Ende. Denn alles scheint keinen Sinn mehr zu machen.

In dieser Sinnlosigkeit kehren sie zurück die sieben Freunde Jesu, die da in der Nacht erneut zum Fischen gingen, .das war es ja, wo Jesus sie weggerufen hatte. Wenn wir uns an den Anfang der Evangelien erinnern, ja, wenn Jesus sie ruft und sagt: „Folgt mir nach, ich mache euch zu Menschenfischern.“ Aber das ist alles vorbei. Das ist alles Geschichte. Jetzt versuchen Sie noch einmal mit dem, was Sie wirklich können, nämlich dem Fischen, einfach erfolgreich zu sein. Wenigstens wieder etwas zu tun, was Ihnen zeigt, dass sie nicht ganz sinnlos in dieser Welt sind, aber nicht einmal das will ihnen gelingen. Sie fingen die ganze Nacht nichts, obwohl sie ja eigentlich fachlich versiert sind, obwohl sie wissen, wie das geht und obwohl sie mit dem See vertraut sind, der seine Tücken durch die Fallwinde hat. Sie wissen all das und trotzdem ist es scheinbar umsonst.

Und da steht noch zu aller Schrecklichkeit am Morgen dieser Fremde am Ufer. Der Fremde wird sie nach den Fischen fragen. Wir haben nichts gefangen. Nein, wir haben nicht einen einzigen Fisch. Aber der Fremde, den Sie noch nicht erkennen, es ist übrigens ein Muster, das bei fast allen Ostererzählungen so ist, dass es eine Zeit dauert, bis die Zeugen des Ostergeschehens im Auferstandenen den Jesus Christus erkennen, dem sie gefolgt sind. Dieser Fremde ermutigt Sie, warum auch immer, das Netz noch einmal woanders auszuwerfen. Sie müssen neue Wege gehen.

Das ist es auch, was wir in der Traumapsychologie über den Umgang mit Menschen, mit posttraumatischen Belastungsstörungen, mit Burnout und so weiter kennen. Das erste ist, wieder sich selber spüren können. Die eigene Körperlichkeit wahrnehmen können. Vielleicht barfuß über das Land laufen.um den Boden unter den Füßen wieder buchstäblich zu spüren und wahrzunehmen. Eigene Gefühle und Regungen am Körper neu spüren können, um von dort langsam wieder einen Weg zu sich selber, zur eigenen Identität und dann auch zum eigenen Handeln zu finden. Das Rückenmark ist dafür ja, wie die Wissenschaft uns erklärt, ganz besonders wichtig, weil es so etwas wie ein körperliches Langzeitgedächtnis für uns ist.

Also in diesem ursprünglichen Tun sind sie wieder angekommen, unsere Fischer. Und da haben sie den Mut, etwas Neues zu machen. Vielleicht auch ein Hinweis für uns, wenn wir uns in einer Gesellschaft ausgesetzt sehen, die immer weniger von Glaube und Kirche wissen will. Eine Gesellschaft, die gleichzeitig mit zunehmenden Problemen unter Angst und Depressionen leidet. Es muss nicht unbedingt zusammenhängen, aber es ist erstaunlich, dass je weiter die religiöse Überzeugung und Rückbindung fehlt, Menschen immer mehr in Angst und Depressionen abgleiten. Weil der Rückhalt fehlt, weil die Grundbestimmung des Menschen, der Sockel, das Fundament für das Leben plötzlich brüchig geworden ist.

Die Jünger erleben das auch, auch Glaubende, sind davon ja nicht ausgenommen. Aber die Jünger fangen sich. Sie entdecken und haben den Mut, das Netz auf der anderen Seite aufzuwerfen, neue Wege zu den Menschen zu wagen. Und da wird das Netz voll, übervoll, 153 große Fische, so dass das Netz schon zu zerreißen ist.153 sind alle Menschen überall auf der Welt gemeint. Es sind die 153 Völker aus dem Buch Genesis, die uns sofort in Erinnerung sind. Es ist die Erfahrung, dass diese Botschaft des Ostermorgens für alle Menschen eine Botschaft der Befreiung ist. Und auch für die Jünger, das erleben sie jetzt am eigenen Leib. In ihrer Aussichtslosigkeit, in ihrer Verlorenheit und Ohnmacht spüren sie, dass es plötzlich mit dem Glauben, obwohl sie es nicht erwartet haben, wieder einen Weg im Leben gibt. Und nicht nur irgendeinen, sondern einen Weg der Fülle, denn das Netz ist übervoll. Und so kommen sie an Mensa Christi, wie der Ort heute heißt. Und es ist ein besinnlicher Ort am Nordufer des See Gennesaret, an dem die Wellen die Hafensteine des einstigen Hafens von Mensa Christi fast in Herzform abgeschliffen haben. Vielleicht ein Zeichen dafür, was schon im Evangelium ankliegt. Denn der Erste, der begreift, dass da am Ufer nicht irgendjemand, nicht irgendein Fremder steht, sondern dass es Jesus ist, ist der Lieblingsjünger. Es ist dort, wo wir aus der Kraft der Liebe heraus uns Gott und dem Nächsten zuwenden, da erfahren wir für uns selber wieder von neuem Sinn, für unser Leben und unseren Alltag.

Und so verändert die Osterbotschaft aufs Neue die Wahrnehmung der Jünger. Ein wichtiger Schritt hing auf dem Weg zum Pfingstfest, an dem sie offen vor allem Volk auftreten können und die frohe Botschaft verkünden, denn der Herr ist wahrhaft auferstanden. Halleluja.
Reinhard Röhrner

Reinhard Röhrner

Predigt als PDF: A Ostern – Ostersonntag 3 – Predigt

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