Sicut Jesus | Lektionar I/A,452/460/464: Ijob 19,1.23-27a | 1 Kor 15,20-23 | Joh 6,51-58
„Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang, nur vor dem Tode derer, die mir nah sind. Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?“ schreibt die deutsch-jüdische Lyrikerin Mascha Kaleko in ihrem Memento. Sie weiß, wovon sie spricht, sie musste ihrem 31-jährigen Sohn nach kurzer schwerer Krankheit ins Grab blicken.
In ihrem Gedicht Memento, lateinisch für bedenke, versucht sie ihre Gefühle und Erfahrungen mit dem Tod ihres Sohnes und auch ihres Mannes auszudrücken.
In der Trauer und im Schmerz müssen wir als Hinterbliebene neue Wege ins Leben suchen und gehen. Im Glauben wissen wir uns verbunden und dürfen dankbar auf die gemeinsame Zeit und Erfahrungen im Miteinander blicken. So will auch Jesus im Sakrament des Altares, im verwandelten Brot und Wein unter uns sein.
Preisen wir Jesus Christus, den Herrn über Leben und Tod:
Kyrie | mit GL
Herr, Jesus Christus,
du bist wahrhaft Mensch geworden.
Du bist durch deinen Tod diesen Weg vorangegangen.
Du rufst uns einst in Gottes Herrlichkeit.
Tagesgebet | MB 827/1520
Allmächtiger Gott,
wir glauben und bekennen,
dass du deinen Sohn
als Ersten von den Toten auferweckt hast.
Stärke unsere Hoffnung,
dass du auch unsere Brüder und Schwestern
auferwecken wirst zum ewigen Leben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus,
deinen Sohn, unseren Herrn und Erlöser,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. AMEN.
Fürbitten
Wir wissen, unser Erlöser lebt! Er ist uns nahe und lädt uns ein mit Sorge und Not zu ihm zu kommen. Zu ihm beten wir:
- Wir beten für unsere verstorbenen Angehörigen,
die uns auf unserem Lebensweg begleitet haben:
Vergilt ihnen das Gute, das wir durch sie erfahren durften.
Herr, erbarme dich. | Herr, erbarme dich. - Wir beten für die Opfer von Naturkatastrophen, Hunger,
Krieg und Terror: Lass sie in dir den wahren Frieden finden. - Wir beten für die Verstorbenen, an die niemand mehr denkt:
Lass sie in Gottes Hand eingeschrieben sein. - Wir beten für alle, die um einen lieben Verstorbenen trauern:
Stärke sie mit dem Trost des Glaubens. - Wir beten für die aus unserer Gemeinde, die im letzten Jahr verstorben sind. Schenke ihnen das ewige Leben bei dir.
Namen der Verstorbenen und Kerzen für sie entzünden
Guter Gott, du schenkst uns unvergängliches Leben. Dich preisen wir
durch Christus, unseren Herrn. AMEN
Schlussgebet | MB
Barmherziger Gott,
wir haben das Gedächtnis
des Todes und der Auferstehung Christi gefeiert
für unsere Brüder und Schwestern.
Führe sie vom Tod zum Leben,
aus dem Dunkel zum Licht,
aus der Bedrängnis in deinen Frieden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. AMEN.
Hinführung zur ersten Lesung | Ijob 19,1.23-27a
Die Erfahrung von Leid und Schmerz
scheint mit einem gerechten und gütigen Gott
nicht vereinbar zu sein.
Im Buch Ijob stellt sich
die Frage nach dem Warum ganz offen.
Bei allem Scheitern vertraut er jedoch darauf,
dass sein Erlöser lebt
und Welt und Leben nicht sinnlos sind.
Hinführung zur zweiten Lesung | 1 Kor 15,20-23
Adam und Christus sind für Paulus
zwei Eckpunkte der Verkündigung.
Schuld, Scheitern, Ende
ist in der Erfahrung des Todes
dem Menschen offenbar.
In der Auferstehung Christi jedoch
erscheint diese Erfahrung im neuen Licht.
Lesehinweis
Ijob: gesprochen i – job Betonung auf langem I, b am Schluß wie p
Meditation
Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang,
Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?
Allein im Nebel tast ich todentlang
Und laß mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.
Der weiß es wohl, dem gleiches widerfuhr;
– Und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur,
Doch mit dem Tod der andern muß man leben
Mascha Kaleko, Memento, Verse für Zeitgenossen
Meditation | Alternative
Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
Rainer Maria Rilke (1875 – 1926)
