Ist es ein Widerspruch zu Jesu Wort, wenn sich ein Abt Vater nennen lässt?

Auf den ersten Blick könnte man einen Widerspruch zu Jesu Wort in  Mt 23, 1-12 vermuten, da Jesus sagt, dass sich keiner Lehrer oder Vater nennen lassen soll, da nur einer der Vater und Lehrer ist: Gott. In der Kirche werden diese Titel daher mit großer Vorsicht verwendet, jeder einzelne muss seinen Weg im Umgang finden. Die Regel des Mönchsvaters Benedikt mag einen guten anschaulichen Impuls dazu geben:

Wer also den Namen „Abt“ annimmt, muss seinen Jüngern in zweifacher Weise als Lehrer vorstehen: Er mache alles Gute und Heilige mehr durch sein Leben als durch sein Reden sichtbar. Einsichtigen Jüngern wird er die Gebote des Herrn mit Worten darlegen, hartherzigen aber und einfältigeren wird er die Weisungen Gottes durch sein Beispiel veranschaulichen. In seinem Handeln zeige er, was er seine Jünger lehrt, dass man nicht tun darf, was mit dem Gebot Gottes unvereinbar ist. Sonst würde er anderen predigen und dabei selbst verworfen werden. Gott könnte ihm eines Tages sein Versagen vorwerfen: „Was zählst du meine Gebote auf und nimmst meinen Bund in deinen Mund? Dabei ist meine Zucht dir verhasst, meine Worte wirfst du hinter dich.“ Auch gilt: „Du sahst im Auge deines Bruders den Splitter, in deinem hast du den Balken nicht bemerkt.

 

Die Benediktus-Regel,
hrsg. im Auftrag der Salzburger Äbtekonferenz, Beuron 1992

Impulse zum 31. Sonntag im Jahreskreis | A

 

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