Miserere mihi | Lektionar I/A, 316: Jer 20,7–9 | Röm 12,1–2 | Mt 16,21–27
„Halb zog sie ihn, halb sank er hin. Und ward nicht mehr gesehn.“ – so endet das Gedicht der Fischer von Johann Wolfgang von Goethe. Die Wassernixe bringt ihn um den Verstand, das Unmögliche zu versuchen, obwohl er weiß, dass es nicht geht.
Auf ähnliche Weise sieht sich der Prophet Jeremia herausgefordert. Er erleidet Spott, ja Verfolgung wegen seines Eintretens für Gott. Aber er kann ihn auch nicht verleugnen, weil er erkannt hat, dass er seine Botschaft in die Welt tragen muss. Das muss auch Petrus erkennen, Nachfolge heißt sich hinter den Herrn stellen und ihm nachfolgen. Eine Erfahrung, die Gläubige Menschen immer wieder machen, dass sie sich dem Gespött der Welt ausgesetzt sehen, aber doch im Glauben den tiefen Sinn ihres eigenen Lebens erkennen.
Rufen wir zu unserem Herrn Jesus Christus, unserem Kyrios:
Kyrie | mit GL
Herr, Jesus Christus,
du hast das Kreuz auf dich genommen zu unsrem Heil. Kyrie eleison.
Du hast dich als heiliges Opfer dargebracht. Christe eleison
Du hast am Kreuz den Tod in Leben verwandelt. Kyrie eleison.
Gloria | Tagesgebet | MB 232
Gott, unser Herr,
du verbindest alle, die an dich glauben,
zum gemeinsamen Streben.
Gib, dass wir lieben, was du befiehlst,
und ersehnen, was du uns verheißen hast,
damit in der Unbeständigkeit dieses Lebens
unsere Herzen dort verankert seien,
Gwo die wahren Freuden sind.
Darum bitten wir durch Jesus Christus,
Deinen Sohn, unseren Herrn und Erlöser,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. AMEN.
Fürbitten
Jesus Christus lädt uns ein ihm zu folgen, auch wenn der Weg nicht einfach ist. Wir bitten ihn:
- Hilf allen, die dir nachfolgen,
Dass sie ihr Kreuz auf sich nehmen und deine Kraft spüren. - Schenke den Kranken und Leidenden
Kraft und Zuversicht im Blick auf dein Kreuz. - Stärke alle, die anderen helfen,
ihr Kreuz zu tragen und schwere Wege mitgehen. - Lass Frieden werden zwischen Menschen und Völkern
und gib den Mächtigen Einsicht und den Mut zum Frieden. - Tröste die Trauernden
durch den Glauben an die Auferstehung.
Herr, du kennst Freud und Leid unseres Lebens und verstehst unsere Anliegen. Wir danken dir, dass du uns hörst und erhörst. AMEN.
Schlussgebet | MB
Herr, , unser Gott,
schenke uns durch dieses Sakrament
die Fülle deines Erbarmens und mache uns heil.
Gewähre uns deine Hilfe,
damit wir so vor dir leben können,
wie es dir gefällt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. AMEN.
Hinführung zur ersten Lesung | Jes 22,19–23
Bis heute nutzen Mächtige ihre Macht
für eigene Vorteile.
Schon 8. Jahrhundert vor Christus
klagte der Prophet Jesaja
Korruption und Günstlingswirtschaft an
und mahnte vor Gottes Gericht.
Macht bringt immer auch Verantwortung mit sich,
die Gebote Gottes können hier eine wertvolle Hilfe sein,
diese Verantwortung recht zu gebrauchen.
Hinführung zur zweiten Lesung | Röm 11,33–36
An den letzten Sonntagen
haben wir die Gedanken des Apostels Paulus
zum Verhältnis von Juden und Christen gehört.
Vieles bleibt offen und ungeklärt,
so gibt er all seine Fragen und Ungewissheiten
in Gottes Hände
und stimmt in einen Lobpreis Gottes ein.
Lesehinweis
…
Meditation
Warum Herr, soll ich mich verleugnen?
Warst Du es nicht,
der mich geschaffen hat,
der mich so wollte wie ich bin?
Warum Herr, soll ich mich verleugnen?
Soll mich nicht annehmen
mein Leben gestalten,
schaffen, was möglich ist?
Sich selbst verleugnen,
heißt mich nicht absolut zu setzen,
mich nicht als die Mitte
der Welt und des Lebens zu sehen.
Nur wenn ich diesen Weg gehe,
finde ich zu mir selbst
und kann so anderen begegnen,
Reichtum und Vielfalt erleben.
Das Kreuz auf sich nehmen,
heißt auch die Grenzen annehmen
und nicht meine Kraft verwenden
gegen sie anzurennen.
Gott schenkt mir mein Selbst,
das frei von Egoismus
von Liebe und Größe
Zeugnis gibt.
Reinhard Röhrner, vgl. Nikolaus von Kues
Meditation | Alternative
Mach etwas aus dir!
Du hast Chancen und Möglichkeiten!
Ergreife sie und mach was draus!
Du kannst gewinnen,
wenn du nur willst!
Ja, es gibt viele Chancen
und noch mehr Möglichkeiten.
So vieles ist möglich,
so vieles könnte ich machen
mein Leben gestalten.
Wo bleibe ich bei all dem selbst?
Heißt Selbstverwirklichung nicht,
dass ich zuerst zu mir komme
ohne mich
in alles Mögliche hinein zu verlieren?
Ich nehme mir Ruhe und Stille,
ich schenke mir meine Zeit,
die Gott mir gibt,
um zu mir und zu Gott zu kommen.
Mögen andere alles Mögliche tun,
mögen sie sich in den vielen Dingen verwirklichen.
Ich muss es nicht beweisen,
weil ich weiß,
dass er mich erlöst hat.
Reinhard Röhrner
