Ölbergstunde | Gründonnerstag | Coena Domini | Lektionar I/A: nach Mt 26,30-46
Kirchplatz | vor der Ölberggruppe
Vigilkerzen werden angezündet und verteilt
Eröffnung
V Herr Jesus Christus, du bist in unserer Mitte, wenn wir uns in deinem Namen versammeln; du erneuerst an uns die Werke deiner Liebe, wenn wir ihrer gedenken. Wir sind gekommen, dein Leiden am Ölberg in Glauben, Liebe und Dankbarkeit zu verehren.
A Gib, dass unser Herz und Verstand in dieser Stunde bei dir sind. Lass uns ergriffen werden von deiner Not, stärke uns durch dein Gebet. Durch deine Todesangst und deinen Gehorsam rette uns aus der Stunde der Finsternis. Richte uns auf an deinem Beispiel, damit wir wie du den Willen Gottes tun. Amen.
Lektor 1
Die Ankündigung der Verleugnung
Nach dem Lobgesang gingen sie zum Ölberg hinaus. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr alle werdet in dieser Nacht an mir Anstoß nehmen; denn in der Schrift steht: Ich werde den Hirten erschlagen, dann werden sich die Schafe der Herde zerstreuen. Aber nach meiner Auferstehung werde ich euch nach Galiläa vorausgehen. Petrus erwiderte ihm: Und wenn alle an dir Anstoß nehmen – ich werde niemals an dir Anstoß nehmen! Jesus sagte zu ihm: Amen, ich sage dir: In dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Da sagte Petrus zu ihm: Und wenn ich mit dir sterben müsste – ich werde dich nie verleugnen. Das Gleiche sagten auch alle Jünger.
Das Gebet in Getsemani
Darauf kam Jesus mit ihnen zu einem Grundstück, das man Getsemani nennt, und sagte zu den Jüngern: Setzt euch hier, während ich dorthin gehe und bete! Und er nahm Petrus und die beiden Söhne des Zebedäus mit sich. Da ergriff ihn Traurigkeit und Angst und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht mit mir! Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf sein Gesicht und betete: Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber. Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst. Und er ging zu den Jüngern zurück und fand sie schlafend. Da sagte er zu Petrus: Konntet ihr nicht einmal eine Stunde mit mir wachen? Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet! Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Wieder ging er weg, zum zweiten Mal, und betete: Mein Vater, wenn dieser Kelch an mir nicht vorübergehen kann, ohne dass ich ihn trinke, geschehe dein Wille. Als er zurückkam, fand er sie wieder schlafend, denn die Augen waren ihnen zugefallen. Und er ließ sie, ging wieder weg und betete zum dritten Mal mit den gleichen Worten. Danach kehrte er zu den Jüngern zurück und sagte zu ihnen: Schlaft ihr immer noch und ruht euch aus? Siehe, die Stunde ist gekommen und der Menschensohn wird in die Hände von Sündern ausgeliefert. Steht auf, wir wollen gehen! Siehe, der mich ausliefert, ist da.
Impuls
Sie gehen hinaus, verlassen den sicheren Raum des Hauses in dem sie Pascha feierten. Sie erinnerten sich an den Auszug aus Ägypten. Den mühevollen Weg in die Freiheit des Volkes Israel und eines jeden einzelnen Menschen. Der Garten ist ihnen vertraut, in der Geborgenheit des Gartens blicken sie in die Nacht.
Er lässt die Freunde am Eingang zurück, drei begleiten ihn hinein in den Garten, da lässt er auch sie zurück. Wir kennen das. Alleinsein wollen. Sich seiner selbst klar werden. Das unbegreifliche des Lebens einordnen und verstehen. Und doch fassungslos vor dem stehen, was wir nicht begreifen können. Die Stille aushalten, keine Ersatzhandlungen, einfach ganz da sein.
Sie sollten beten, wie er in seiner Art gebetet hat. Immer wieder haben die Jünger Jesu gespürt, dass er aus dem Gebet eine unheimliche Kraft holen konnte, ja seine Beziehung zu Gott, seinem Vater, pflegte und auch sie immer wieder ermutigte im Gebet Zuflucht bei diesem Gott zu suchen.
Kyrie | Christusrufe
Herr Jesus Christus,
du trägst die Angst der Welt nach Gethsemani. Kyrie eleison
Du ringst mit der Todesangst. Kyrie eleison Du wirst uns zur Quelle des Lebens. Kyrie eleison
Tagesgebet
Gott, barmherzig und gut,
du hast deinen Sohn gesandt,
um deine Liebe zu bezeugen.
Erfülle uns mit der Kraft deines Geistes,
die uns stärkt, die Liebe zu leben.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unsern Herrn. AMEN.
Liedruf | Bleibet hier und wachet mit mir | GL 286
Weg in die Stadtpfarrkirche, rechtes Seitenschiff
Aussetzung des Allerheiligsten in aller Stille
Hochgelobt und gebenedeit…
Z: Hochgelobt und gebenedeit
sei das Allerheiligste Sakrament des Altares
A: von nun an bis in Ewigkeit. Amen
Einführung
Im Namen der Kolpingsfamilie begrüße ich alle recht herzlich zu dieser Ölbergandacht und lade alle ein zu einer Zeit des Gebets und der Betrachtung der letzten Stunden Jesu vor seinem Tod.
In dieser Gebetswache gehen wir mit Jesus in seine Nacht und in sein Dunkel. Wir versuchen uns einzufühlen in seine schwere Lage, in die er in dieser Nacht am Ölberg hineingerät. Es ist eine absolute menschliche Grenzerfahrung: ein radikales Zurückgeworfensein auf sich selbst, Agonie, Todesangst, Enttäuschung, verlassen von Gott und der Welt, verraten und verleugnet. In der Betrachtung des leidvollen Weges Jesu in dieser Ölbergnacht begegnen wir auch unserem eigenen Dunkel, unseren „schwierigen“ menschlichen Erfahrungen, die wir selber in unserem Leben machen. Wir können und sollen diese Erfahrungen nicht verdrängen und verleugnen. Vielmehr sind wir eingeladen, mit offenen Augen und wachen Herzen in dieses Dunkel zu schauen. Schließlich gilt es, diese Erfahrungen in unser Leben zu integrieren.
Lektor 2
Wir hören das Gedicht Ölbaumgarten von Rainer Maria Rilke:
Er ging hinauf unter dem grauen Laub
ganz grau und aufgelöst im Ölgelände
und legte seine Stirne voller Staub
tief in das Staubigsein der heißen Hände.
Nach allem dies. Und dieses war der Schluss.
Jetzt soll ich gehen, während ich erblinde,
und warum willst Du, dass ich sagen muss,
Du seist, wenn ich Dich selber nicht mehr finde.
Ich finde Dich nicht mehr. Nicht in mir, nein.
Nicht in den andern. Nicht in diesem Stein.
Ich finde Dich nicht mehr. Ich bin allein.
Ich bin allein mit aller Menschen Gram,
den ich durch Dich zu lindern unternahm,
der Du nicht bist. o namenlose Scham…
Später erzählte man, ein Engel kam – .
Warum ein Engel? Ach es kam die Nacht
und blätterte gleichgültig in den Bäumen.
Die Jünger rührten sich in ihren Träumen.
Warum ein Engel? Ach es kam die Nacht.
Die Nacht, die kam, war keine ungemeine;
so gehen hunderte vorbei.
Da schlafen Hunde, und da liegen Steine.
Ach eine traurige, ach irgendeine,
die wartet, bis es wieder Morgen sei.
Denn Engel kommen nicht zu solchen Betern,
und Nächte werden nicht um solche groß.
Die Sich-Verlierenden lässt alles los,
und die sind preisgegeben von den Vätern
und ausgeschlossen aus der Mütter Schoß.
Rilke beginnt mit einer Szene, die das Gebet Jesu in Gethsemane evoziert: ein Mensch geht hinauf, erschöpft, staubbedeckt, und legt sich in verzweifelter Haltung nieder. Lyrisch übersetzt er die Prosa der Evangelien. Er nennt Jesus nicht beim Namen und spricht doch unmissverständlich von Jesu Gebet in Gethsemani. Aber er beschreibt es in einer Offenheit, der Betende wird zur Chiffre für den existenziell Leidenden.
Die zweite Strophe steigert das Gefühl der Verlassenheit: Der Sprecher, der möglicherweise Christus selbst ist, spricht von Blindheit, Zweifel und der Unmöglichkeit, Gott noch zu finden – weder in sich, noch im anderen, noch in der Welt.
Die dritte Strophe verdichtet die Erfahrung radikaler Einsamkeit: Die Gottverlassenheit ist total. Der „Gram aller Menschen“ liegt schwer auf dem Sprecher, der sich berufen fühlte, ihn zu lindern – nun aber in Scham und Leere zurückbleibt. Die Erzählung, ein Engel sei später gekommen, wird angezweifelt: Die Nacht, die kam, war keine göttlich durchleuchtete, keine Nacht der Geborgenheit, sondern eine gewöhnliche, gleichgültige.
So wird die Nacht zur Metapher, zum Bild für das Ausbleiben jeder spirituellen Antwort. Der Schluss hebt die Tragik des „Sich-Verlierenden“ hervor: Wer sich im Leiden selbst aufgibt, wird von allem verlassen – von Vätern, von Müttern, von Gott. Engel erscheinen in dieser Welt nicht mehr.
Rilke formuliert mit leiser Wucht eine moderne Passionserfahrung: nicht mehr getragen vom Glauben, sondern geprägt von Zweifel, Einsamkeit und der Sehnsucht nach einem unerreichbaren Gott.
Der Kontext jener Nacht im Garten verbindet alle Menschen, die Angst haben bis zur Agonie im eigenen Leben stecken, mit Jesus Christus, der diese Angst in Gebet und Vertrauen ausgehalten hat.
STILLE
V: Wir halten jetzt 2-3 Minuten Stille und lassen das Gedicht und die Ölbergszene auf uns wirken.
LIED | Bleibet hier und wachet mit mir | GL 286
Lesung 2 | Mt 26,47-56
Noch während er redete, siehe, da kam Judas, einer der Zwölf, mit einer großen Schar von Männern, die mit Schwertern und Knüppeln bewaffnet waren; sie waren von den Hohepriestern und den Ältesten des Volkes geschickt worden. Der ihn auslieferte, hatte mit ihnen ein Zeichen vereinbart und gesagt: Der, den ich küssen werde, der ist es; nehmt ihn fest! Sogleich ging er auf Jesus zu und sagte: Sei gegrüßt, Rabbi! Und er küsste ihn. Jesus erwiderte ihm: Freund, dazu bist du gekommen? Da gingen sie auf Jesus zu, ergriffen ihn und nahmen ihn fest. Und siehe, einer von den Begleitern Jesu streckte die Hand aus, zog sein Schwert, schlug auf den Diener des Hohepriesters ein und hieb ihm ein Ohr ab. Da sagte Jesus zu ihm: Steck dein Schwert in die Scheide; denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen. Oder glaubst du nicht, mein Vater würde mir sogleich mehr als zwölf Legionen Engel schicken, wenn ich ihn darum bitte? Wie würden dann aber die Schriften erfüllt, dass es so geschehen muss? In jener Stunde sagte Jesus zu den Männern: Wie gegen einen Räuber seid ihr mit Schwertern und Knüppeln ausgezogen, um mich festzunehmen. Tag für Tag saß ich im Tempel und lehrte und ihr habt mich nicht verhaftet. Das alles aber ist geschehen, damit die Schriften der Propheten in Erfüllung gehen. Da verließen ihn alle Jünger und flohen.
STILLE
Wir halten jetzt 2-3 Minuten Stille und lassen die Szene auf uns wirken.
LIED | Bleibet hier und wachet mit mir | GL 286
Impuls
Keine Legionen von Engeln, kein Machtbeweis. Die Größe Gottes zeigt sich im Kleinmachen seiner selbst. Er ist bereit mit der Kraft aus dem gebet sich selbst hinzugeben. Völlig konträr zum Handeln der Welt, wo es vor allem darum geht sich selbst in Szene zu setzen und sich selbst zu verwirklichen. Der Verrat durch den Freund, den Vertrauten wird da zur Steigerung der Demütigung. Doch Jesus scheint seine Würde, sein Ansehen nicht aus den blicken der Welt zu haben, sondern er macht deutlich, dass die Würde des Menschen von Gott kommt und er jedem Menschen liebevoll Ansehen schenkt, ihn ansieht als sein geliebtes Geschöpf, dem er einst Leben einhauchte.
STILLE
Wie gehen wir um mit Verrat und Enttäuschung? Mit der Erfahrung von Ablehnung und Unversöhnlichkeit? Wir halten jetzt 2-3 Minuten Stille.
Der Blick auf Judas
Judas Iskariot, das ist der Mensch gewordene Schatten der Schuld, des Bösen, so sagen es uns die Evangelien, so haben wir es einmal gelernt. Judas Iskariot, der Mann, der Jesus verraten hat, den Hohenpriestern ausgeliefert und damit dem Tod am Kreuz. Judas Iskariot – der Verräter, schuldig am Tod des Erlösers, schuldig am Blut eines Unschuldigen? Warum musste ein Judas zum Verräter werden, warum musste die Macht des Bösen Menschengestalt annehmen? War es deshalb, weil Gott, weil die von ihm verheißene Erlösung ebenfalls Menschengestalt angenommen hatte in Jesus von Nazaret? Judas Iskariot – seine Geschichte wird uns überliefert, in allen Evangelien wird von ihm erzählt. Manchmal sind diese Aussagen aber recht widersprüchlich. Einig sind sie nur in einem Punkt: Der Angeklagte ist schuldig. Er ist ein Verräter, der Verräter. Und damit wurde Judas mit seinem Schatten der Schuld ausgeschlossen vom Heil. Wie könnte denn ein solcher Mensch gerettet werden, sagt uns doch das menschliche Gerechtigkeitsempfinden: Der Verräter des Herrn, der schuld ist am Tod eines Unschuldigen – freigesprochen von aller Schuld – nie und nimmer!
Wer aber denkt an den Menschen Judas, nicht nur an seinen Verrat? Wer denkt an den Menschen, der eine Tat vollbringen musste, ohne die es kein Kreuz und damit auch keine Erlösung von aller Schuld gäbe? Und gilt nicht dieses Kreuz auch der Schuld des Judas, durchkreuzt es nicht auch seine Schuld? Fragen über Fragen, Geheimnisse Gottes, Geheimnisse von Schuld und Erlösung, von Leben und Tod.
Judas Iskariot – war er wirklich der böse Verräter, hochmütig und besserwisserisch, enttäuscht von seinem Herrn, oder war er nur Werkzeug in der Hand Gottes, grausam gebrauchtes Werkzeug, das an seiner eigenen Tat zerbrach?
Judas Iskariot ist von der Leidensgeschichte Jesu nicht zu trennen. Er gehört dazu. Unweigerlich gehört er dazu, auch wenn wir ihn mit unserem scheinbar so ausgeprägten Gefühl für Recht und Ordnung am liebsten herausstreichen würden, wenn wir ihn mit abgrundtiefer Verachtung betrachten, wenn wir mit Genugtuung sein gnadenloses Ende zur Kenntnis nehmen. Judas Iskariot – der schuldige Verräter. Künstler zu allen Zeiten haben sein Gesicht zur Fratze entstellt, haben ihn mit ihrer Kunst verdammt, als Spiegel des Bösen dem Beschauer vor Augen gestellt. Judas – Täter oder Opfer? Das wird wohl zu fragen sein, wenn wir seine Geschichte näher betrachten. Täter oder Opfer eines unergründlichen, geheimnisvollen Planes, dem er sich nicht entziehen konnte. Am Ende war auch er tot, so wie jener, den er verraten hatte. Auch er hing am Galgen, er, der mit seinem Herrn die Befreiung wollte. Am Ende sind beide tot, der Sohn Gottes und der Sohn Kains, Opfer und Täter. Ist dieser Judas endgültig in der Macht des Bösen? Oder gilt auch ihm die Erlösung durch das Kreuz?
Gehen wir seinen Weg noch einmal zurück. Begleiten wir ihn auf diesem Weg, der für zwei Menschen zum Tod führt.
Lektor 3
„Judas, einer der Zwölf“
so schreiben Matthäus Markus und Lukas
wenn sie von dir reden
als den Verräter Judas Iskariot
einer der Zwölf
das heißt du warst mit dabei von Anfang an
du bist dem nachgefolgt den du verraten solltest
du hast wie die anderen
wie Petrus Johannes Jakobus
wie Philippus und Thomas
alles liegen und stehen gelassen
alles preisgegeben
weil dich einer angesprochen hat
begeistert hat
in seinen Bann gezogen
du hast es dich etwas kosten lassen
dein Leben ist anders geworden
Judas
durch diesen Jesus ganz anders
du bist nicht mehr
der gutbürgerliche Handwerker geblieben
was du wirklich von Beruf warst
sagt uns ja keiner
ist auch nicht so wichtig
aber du hast auf diesen Jesus
deine Hoffnung gesetzt
eine ungeheure Hoffnung auf Freiheit
denn danach hat dein Volk sich gesehnt
endlich das Joch abschütteln
das die fremden Herren im Land
euch auferlegt haben
endlich Freiheit
dafür wolltest du kämpfen
dein Leben einsetzen
Judas
und du hast einen Bundesgenossen
in Jesus gesucht
hast du geahnt
Judas
dass auch er die Befreiung wollte
aber anders
ganz anders als du
hast du das geahnt oder gar befürchtet
wohl doch nicht die Freiheit
wie du und so viele
sie schmerzlich ersehnten
hast du das geahnt
als Er dich angesprochen hat
herausgefordert hat
komm, komm folge mir nach
geh mit mir auf meinem Weg
geh mit mir den Weg der Befreiung
hast du das wirklich geahnt
oder warst du nur wie so viele
begeistert von seinen Worten
seinem Auftreten
seinem Handeln
du wurdest ja wie die anderen
sein Freund Judas
sein Vertrauter Tag und Nacht
du hast ihn beobachtet
aus dem Innersten deines Herzens heraus
immer in der Hoffnung
eines Tages
eines Tages wird er dreinschlagen
Revolution Befreiung
hast du nicht darauf gewartet
auf diesen Tag, diesen Moment
Er hatte dich ja selbst berufen
dich gerade dich hat Er gemeint
dich keinen anderen über seinem Ruf
der Berufung aber
Judas
liegt ein Schatten düster schwer wie Blei
ein unfassbares Geheimnis
Wolltest du diesen Jesus, den großen Rabbi
einfach herausfordern
endlich anzufangen mit dem Umsturz,
dass sie etwas ändert, das Blatt wendet
und das Gottesvolk seine Freiheit finde
Mehr noch hat Jesus, ja Gott gewollt,
keine Gewalt, keine Brutalität, kein Geschrei,
aber die Welt war zu hilflos mit diesem Jesus
und meinte Gott einen Dienst zu tun,
wenn sie ihn beseitigen würden,
der doch von Gott kam uns zu erlösen.
Hast du es verstanden Judas?
Ist es dir plötzlich aufgegangen,
dass du Schuld auf dich geladen hast
wie damals Adam und Eva im Paradies?
Auf Gott vertrauen
verlangt immer wieder
darauf zu setzen,
dass sein Wirken uns befreit, erlöst.
Fürbitten
Gottes Leidenschaft für das Leben zeigt sich in der liebevollen Hingabe Jesu für uns Menschen – in seiner Leidensgeschichte kommt er allen nahe, die leiden. So wollen wir am Ende dieser Gebetswache bitten, dass er uns in allen Situationen der Einsamkeit und des Leidens nahe bleibt.
- Guter Gott, wir bitten dich für alle Menschen,
die mit einer schweren Schuld leben
und sich nach Versöhnung und Vergebung sehnen. - Guter Gott, wir bitten dich für alle,
die sich vor der Zukunft fürchten,
weil sie ungewiss ist oder weil sie Schweres zu bewältigen haben. - Guter Gott, wir bitten dich für alle,
die Angst haben,
weil Krieg und Terror den Alltag zerstört,
weil sie dem sinnlosen Sterben täglich begegnen. - Guter Gott, wir bitten dich für alle,
die voller Schmerz sind,
weil sie einen lieben Angehörigen verloren haben. - Guter Gott, wir bitten dich für alle,
die sich dem Tod nahe wissen und voller Angst sind.
Sprechen wir nun gemeinsam das Gebet des Herrn, das alle Christinnen und Christen auf der Welt eint und unseren Glauben stärkt:
Vater Unser
Abschließende Betrachtung
Das ist der große Trost des Gründonnerstages. Vom Abendmahl über die Ölbergszene bis zur Verhaftung Jesu zeigt es sich: Gott hat eine große Leidenschaft für uns Menschen – er liebt uns in all unserer Menschlichkeit, trotz unseres Versagens, trotz unserer Schuld.
Deshalb schaut er nicht einfach zu, wo Menschen leiden; er bleibt nicht einfach passiv, wenn die Menschen in die Irre gehen. Nein, in Jesus wirft er sich selbst mitten hinein ins Geschehen. Gott selber geht diesen menschlichen Weg bis ans Ende, um die Menschen, die er liebt, zu retten, zu befreien, zu erlösen.
Er gibt sich für uns hin, damit wir den Weg zum Leben wieder neu finden. Gott macht sich klein vor uns Menschen, weil er uns liebt. Darin besteht seine Größe. Das verdichtet sich an diesem Abend, in dieser Nacht vor dem Kreuzestod Jesu.
