| Lektionar I/A,
Fühlen sie sich arm oder reich? – Was bedeutet es eigentlich arm zu sein oder reich? Wo ist die Grenze zwischen beidem oder gibt es etwas dazwi-schen? Wahrscheinlich möchten sie sagen, ich bin weder wirklich reich noch wirklich arm. Wie nennt man das?
„Doch ihr dürft nicht traurig werden, Reiche haben Armut gern…“ So schrieb Erich Kästner 1928 in seinem Weihnachtslied, chemisch gereinigt. So macht er deutlich, dass es in der Bewertung von arm und reich we-sentlich auf den Vergleich ankommt. Vor allem, wenn wir auf die finanzi-ellen Möglichkeiten eines Menschen blicken.
Aber können wir Reichtum nicht ganz anders verstehen? Jesus lädt uns heute ein, einen ganz anderen Blick darauf zu werfen.
So rufen wir zu ihm, unserem Herrn, dem Kyrios:
Kyrie | mit GL
Herr, Jesus Christus,
du preist die Menschen selig. Kyrie eleison.
Du rufst uns in dein göttliches Reich. Christe eleison.
Du hast Worte ewigen Lebens. Kyrie eleison
Gloria | Tagesgebet | MB 211
Herr, unser Gott,
du hast uns erschaffen, damit wir dich preisen.
Gib, dass wir dich mit ungeteiltem Herzen anbeten
und die Menschen lieben, wie du sie liebst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus,
deinen Sohn, unseren Herrn und Erlöser,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. AMEN
Fürbitten
Jesus lädt uns ein seiner Vision vom anbrechenden Gottesreich zu folgen und unsere Welt im Blick darauf zu gestalten. Vielen Dingen sehen wir uns jedoch oft hilflos ausgesetzt. So rufen wir zu ihm:
- Gottes Botschaft wirkt oft radikal.
Ermutige alle Gläubigen diese Botschaft
ermutigend und begeisternd zu verkünden.
Christus, höre uns. | Christus, erhöre uns. - Du preist Menschen selig, die am Rande stehen.
Hilf allen dich als die einzig wahre Lebensquelle zu entdecken. - Alle Menschen sehnen sich nach Frieden.
In den großen Konflikten unserer Tage ebenso
wie in den kleinen Streitigkeiten.
Hilf allen Menschen Wege des Friedens zu suchen und zu finden. - Barmherzigkeit ist ein Ausdruck des Glaubens.
Bestärke alle Gläubigen in deinem Geist
die Welt und die Gesellschaft zu prägen. - Unsere Verstorbenen sind in deinem himmlischen Reich.
Tröste alle Trauernden und Hoffenden mit dieser Zuversicht.
Du bist bei uns in allen Höhen und Tiefen des Lebens, dafür danken wir jetzt und bis in Ewigkeit. AMEN.
Schlussgebet | MB
Barmherziger Gott,
das Sakrament der Erlösung,
das wir empfangen haben,
nähre uns auf dem Weg zu dir
und schenke dem wahren Glauben
beständiges Wachstum.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. AMEN.
Hinführung zur ersten Lesung | Zef 2,3; 3,12–13
Das letzte Buch des Alten Testaments,
fasst zwölf kurze Schriften von Propheten zusammen.
Einer davon ist Zefánja,
der um 600 vor Christus auftritt.
Wenn er vom göttlichen Zorn spricht,
prangert er die Missstände seiner Zeit an
und gibt doch eine Perspektive,
die bei allem Pessimismus
in eine gute Zukunft führt:
Umkehr auf den Weg des Herrn.
Hinführung zur zweiten Lesung | 1 Kor 1,26–31
Machtspiele gehören auch bei uns zum Alltag.
Als der Apostel Paulus Mitte der 50er Jahre
den ersten Brief an die Christen in Korinth schreibt,
ist es nicht anders.
Gerade als Christen sollte uns aber
das Los der Schwachen und Niedrigen am Herzen liegen,
die Jesus Christus nahe sind,
weil auch er sich erniedrigte.
Der Blick auf den Menschen
darf nicht von Macht, Reichtum und Ansehen verstellt sein.
Lesehinweis
Zefania – Betonung auf dem ersten A.
Meditation
Glücklich, ja selig,
nennt Jesus,
die Armen,
denn ihnen gehöre das Himmelreich.
Glücklich wer um sich selbst weiß,
um seine Grenzen,
seine Armut
in der Welt.
Glücklich, wer sich nicht selbst
zu Gott erhöht
und als Maßstab aller Dinge
nimmt.
Erlöst und glücklich, ja selig,
wer sich von Gott eingeladen weiß
in sein himmlisches Reich
und dies in seinem Leben verkündet.
Reinhard Röhrner
Meditation | Alternative
„Leer sein aller Kreatur
ist Gottes voll sein,
und voll sein aller Kreatur
ist Gottes leer sein.“,
sagt der Mystiker Meister Eckhart
Wie voll ist doch mein Leben
mit all den Dingen,
die doch nicht wirklich wichtig sind,
die mir nicht selten
wie ein Ballast sind.
Wie erfüllt könnte ich leben,
wenn ich frei davon wäre,
und Gott mich
mit seiner liebenden Gegenwart
ganz und gar erfüllte?
Wieviel von seiner Liebe
könnte ich in meine Welt
in Beziehungen und Begegnungen hineintragen,
um so die Welt ein wenig
nach seinem Bild zu verändern.
Reinhard Röhrner
Meditation | Alternative
Selig seid ihr Armen,
sagt Jesus
und preist nicht den glücklich,
der sich alles leisten kann.
Selig seid ihr Trauernden,
sagt Jesus
und wischt die Trauer nicht einfach weg,
weil Trauernde spüren, was ihnen wirklich fehlt.
Selig seid ihr Sanftmütigen und Barmherzigen,
sagt Jesus
und meint nicht,
dass man im Letzten doch hart durchgreifen muss.
Selig seid ihr Friedensstifter,
sagt Jesus
und meint es ernst,
dass wir in uns und um uns beginnen müssen
diesen Frieden zu leben.
Reinhard Röhrner
