Iudica | Lektionar I/A, 88:
Ez 37,12b–14 | Röm 8,8–11 | Joh 11,1–45 (oder 11,3–7.17.20–27.33b–45)
„O Mensch! Gib acht! Was spricht die tiefe Mitternacht? ‚Ich schlief, ich schlief –, Aus tiefem Traum bin ich erwacht: – Die Welt ist tief, und tiefer als der Tag gedacht. Tief ist ihr Weh –, Lust – tiefer noch als Herzeleid: Weh spricht: Vergeh! Doch alle Lust will Ewigkeit –, – will tiefe, tiefe Ewigkeit!“ lässt Friedrich Nietzsche seinen Zarathustra im Rundgesang sagen.
Damit bringt er in seinen Worten eine tiefe Erkenntnis über den Menschen zum Ausdruck. Der Mensch, der sich seiner selbst bewusst ist, will Leben, ja ewig leben.
Wie diese Sehnsucht Erfüllung finden kann, davon spricht der Glaube, ja er schenkt jene Hoffnung, die nicht nur die Schwestern Marta und Maria erfüllte, als sie um ihren Bruder Lazarus trauerten. Auch für uns gilt diese Hoffnung und wir rufen zu Christus, der uns ermutigt hoffnungsfroh das Leben zu gestalten:
Kyrie | mit GL
Herr, Jesus Christus,
du begründest die Hoffnung in uns. Kyrie eleison.
Du erfüllst die Sehnsucht im Menschen. Christe eleison.
Du schenkst ewiges Leben. Kyrie eleison.
KEIN Gloria | Tagesgebet | MB 129
Herr, unser Gott,
dein Sohn hat sich aus Liebe zur Welt
dem Tod überliefert.
Lass uns in seiner Liebe bleiben und mit deiner Gnade aus ihr leben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus,
deinen Sohn, unseren Herrn und Erlöser,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. AMEN
Fürbitten
Herr Jesus Christus, du bist die Auferstehung und das Leben. Du schenkst Leben, das alle Zeit überdauert und bist uns in dieser Welt nahe. So rufen wir zu dir:
- Lass die Christen ihr Leben aus dem Glauben gestalten,
dass alle Menschen erkennen,
dass du uns Leben in Fülle schenken willst.
Christus, höre uns. | Christus, erhöre uns. - Befreie die Menschen von aller Angst vor dem Tod
und erfülle sie mit Sehnsucht nach dem Leben, das du schenkst. - Gib uns die Bereitschaft, jeden Tag
unseren Egoismus und unseren Kleinglauben sterben zu lassen,
damit das Gute in uns entstehen und wachsen kann. - Steh den Opfern von Terror und Krieg
und schenke Hilfe und Heilung. - Stärke alle Menschen, die Kranke und Sterbende begleiten,
dass sie ihnen die Hoffnung auf Erlösung vermitteln können. - Rufe unsere Verstorbenen zu dir
und gib ihnen von deiner Fülle,
tröste alle Trauernden mit der Kraft der Hoffnung.
Wir danken dir, dass du bei uns bist und uns begleitest, heute, alle unsere Tage und Ewigkeit. AMEN.
Schlussgebet | MB
Allmächtiger Gott,
du hast uns
das Sakrament der Einheit geschenkt.
Lass uns immer lebendige Glieder Christi bleiben,
dessen Leib und Blut wir empfangen haben.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn. AMEN.
Hinführung zur ersten Lesung | Ez 37,12b–14
Der Prophet Ezechiel
spricht zu den enttäuschten Menschen im babylonischen Exil.
Sie haben alle ihre Hoffnungen begraben.
Sie erwarten nichts mehr.
Sie halten sich für verloren.
Der Prophet versucht, ihren Blick auf Gott zu richten.
Wo menschlich gesehen alles zu Ende ist,
kann Gott neues Leben schaffen,
über alles menschliche Erwarten hinaus.
Hinführung zur zweiten Lesung | Röm 8,8–11
Paulus spricht die Christen in Rom
auf den Geist Gottes an, der in ihnen wohnt.
Der Geist Gottes ist für ihn eine lebendige Wirklichkeit:
Er ist die Gegenwart Gottes,
der jedem Menschen ganz nahe ist,
der in ihm ist, der ihn anstößt,
Gott zu suchen,
der ihn zum Tun des Guten bewegt.
Lesehinweis
babylonisch | offenes A, y wie i
Meditation
„Denn alle Lust
will Ewigkeit,
will tiefe, tiefe Ewigkeit!“ (Nietzsche, Zarathustra)
Wer einmal das Leben gespürt hat,
will mehr davon,
will jede Faser des Lebens spüren.
Spürt in sich
die Sehnsucht
nach Ewigkeit.
Inmitten einer Welt,
die von Vergänglichkeit geprägt ist,
sehnt er sich nach Ewigkeit.
Aufgenommen und angenommen
in Gotte grenzenloser Liebe
heißt erlöst sein.
So gehen wir durch diese Welt
auf das große Ziel des Lebens zu
in Gott vollendet, ganz zu sein.
Reinhard Röhrner
Meditation | Alternative
„Ich bin die Auferstehung
und das Leben.
Wer an mich glaubt,
wird leben, auch wenn er stirbt.“
Ein Glaube,
der die Grenzen sprengt,
die wir in der Welt
uns und anderen setzen.
Ein Glaube,
der Binden löst,
die uns fesseln an Aufgaben,
an Ansprüche und Gewohnheiten.
Ein Glaube,
der die Erfüllung sucht
nicht im körperlichen Dasein,
sondern in der Gegenwart Gottes.
Ein Glaube,
der über die äußerste irdische Grenze
über das Verwesen hinaus
Leben in Fülle schafft.
Ein Glaube,
der meine Existenz
schon aus dem Hier und Jetzt
in Gottes liebender Gegenwart weiß.
Reinhard Röhrner
Meditation | Alternative II
Christus rief einst
den Lazarus aus dem Grab.
Er ruft auch uns
aus dem Tod zum Leben,
aus der Sünde ins Leben mit ihm.
Die heilige Eucharistie,
das Brot des Lebens,
ist uns Garant dafür.
Es war unmöglich,
dass Tote wieder leben,
unmöglich war Gott im Fleisch erfahrbar,
ehe sein Wort Fleisch wurde,
damit unser Fleisch in ihm lebt.
Wo ich am Ende bin,
wo ich nur noch tot bin,
dort überall spüre ich Leben
von neuem knospen und aufblühen,
ich höre
wie er auch mich ruft.
Reinhard Röhrner
