Lektionar I/A, 97: Mt 21,1–11 | Jes 50,4–7 | Phil 2,6–11| Mt 26,14 – 27,66 (oder 27,11–54)
Introitus | Mt 21,9
Hosanna dem Sohne Davids!
Gepriesen, der kommt im Namen des Herrn,
der König von Israel. Hosanna in der Höhe!
Einführung:
Liebe Schwestern und Brüder,
unsere täglichen Wege führen uns durch die Welt, zur Erledigung unserer Aufgaben und zu Begegnungen mit Freunden, dabei gehen wir leichte Wege und manche schweren Wege. Im Blick auf die Weltlage mit ihren großen Kriegen und Konflikten bis hinein in unsere zwischenmenschlichen Beziehungen. Oft gehen wir die Wege mit gemischten Gefühlen. Wird es der richtige Weg sein? Können wir es schaffen?
Dabei ging es Jesus ähnlich wie uns. Er ist in seine Stadt Jerusalem eingezogen; dort wollte er Leiden und Tod auf sich nehmen, dort sollte er auch auferstehen. Mit Glauben und innerer Hingabe begehen wir das Gedächtnis seines Einzugs. Wir folgen dem Herrn auf seinem Leidensweg und nehmen teil an seinem Kreuz, damit wir auch Anteil erhalten an seiner Auferstehung und am ewigen Leben. So wollen wir die mitgebrachten Palmzweige, die an den Einzug damals in Jerusalem erinnern, segnen:
Dann spricht der Priester:
Allmächtiger, ewiger Gott,
segne + diese grünen Zweige,
die Zeichen des Lebens und des Sieges,
mit denen wir Christus, unserem König, huldigen.
Mit Lobgesängen begleiten wir ihn in seine heilige Stadt;
gib, dass wir durch ihn zum himmlischen Jerusalem gelangen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Er besprengt (ohne Begleitgebet) die Zweige mit Weihwasser
Liedruf: Jesus König der Herrlichkeit…
Evangelium | Mt 21,1–11
+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus
1Als sich Jesus mit seinen Begleitern Jerusalem näherte
und nach Betfage am Ölberg kam,
schickte er zwei Jünger voraus
2und sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt;
dort werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr.
Bindet sie los, und bringt sie zu mir!
3Und wenn euch jemand zur Rede stellt, dann sagt:
Der Herr braucht sie, er lässt sie aber bald zurückbringen.
4Das ist geschehen, damit sich erfüllte,
was durch den Propheten gesagt worden ist:
5Sagt der Tochter Zion:
Siehe, dein König kommt zu dir.
Er ist friedfertig, und er reitet auf einer Eselin
und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers.
6Die Jünger gingen und taten, was Jesus ihnen aufgetragen hatte.
7Sie brachten die Eselin und das Fohlen,
legten ihre Kleider auf sie, und er setzte sich darauf.
8Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf der Straße aus,
andere schnitten Zweige von den Bäumen
und streuten sie auf den Weg.
9Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm folgten, riefen: Hosanna dem Sohn Davids!
Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe!
10Als er in Jerusalem einzog,
geriet die ganze Stadt in Aufregung, und man fragte: Wer ist das?
11Die Leute sagten:
Das ist der Prophet Jesus von Nazaret in Galiläa.
Zur Prozession
Liebe Schwestern und Brüder!
Wie einst das Volk von Jerusalem Jesus zujubelte,
so begleiten auch wir jetzt den Herrn und singen ihm Lieder.
Prozession zur Kirche | mit Gesang: Lobe den Herren
weiter mit Tagesgebet
ODER: Einzug ohne Prozession
Heute treten wir ein in die Feier der Heiligen Woche. Wir sehen den Herrn auf dem Kreuzweg und gehen mit ihm über Golgota und das Grab hin zum Ostermorgen – nicht als Schaulustige am Wegrand, sondern als die, die ihm nachfolgen und durch sein Leiden, Sterben und Auferstehen das Leben erlangen. Huldigen wir dem König in unserer Mitte und rufen wir ihn, unseren Herrn und Kyrios, um sein Erbarmen an:
Kyrie | mit GL
Herr, Jesus Christus,
eingezogen in die Stadt Jerusalem. Kyrie eleison.
Mit Jubel begrüßten dich die Menschen als ihren König. Christe eleison.
Mit dem Kreuz hast du sie wieder verlassen. Kyrie eleison
Gloria | Tagesgebet | MB
Allmächtiger, ewiger Gott,
deinem Willen gehorsam,
hat unser Erlöser Fleisch angenommen,
er hat sich selbst erniedrigt
und sich unter die Schmach des Kreuzes gebeugt.
Hilf uns,
dass wir ihm auf dem Weg des Leidens nachfolgen
und an seiner Auferstehung Anteil erlangen.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus,
deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. AMEN
Fürbitten
Auf Augenhöhe der Menschen bist du als wahrer König in Jerusalem eingezogen, um alle Menschen aus der Knechtschaft der Sünde und des Todes zu befreien. Wir rufen voll Vertrauen zu dir:
- Gott hat die Größe sich klein zu machen.
Gib allen Mächtigen den Mut andere nicht zu unterdrücken,
sondern alle zu unterstützen sich zu entfalten.
Christus, höre uns. | Christus, erhöre uns - Geschlagen, verspottet und verhöhnt stehst du vor den Menschen.
Hilf allen, die in die Enge getrieben werden,
im Vertrauen auf dich Wege zum Leben zu finden. - Mit einer Dornenkrone als Zeichen der Macht wurdest du verhöhnt. Stärke alle Mächtigen sich für Frieden und Versöhnung einzusetzen,
besonders in der Ukraine und im Nahen und Mittleren Osten. - Jerusalem ist die Stadt der Gottesbegegnung.
Lass alle Menschen friedlich miteinander leben. - Immer wieder bist du unter der Kreuzeslast zusammengebrochen.
Sei bei den Opfern von Unfällen und Gewalt
und schenke Heilung und neue Zuversicht. - Die Botschaft der Liebe stirbt nicht.
Hilf allen, die um Verstorbene trauern,
aus dem Glauben an die Auferstehung zu leben.
Du willst auch unser König sein und uns führen in dein Reich, dafür danken wir dir durch Christus unseren Herrn. AMEN.
Schlussgebet | MB
Herr, , unser Gott, du hast uns im heiligen Mahl gestärkt.
Durch das Sterben deines Sohnes gibst du uns die Kraft,
das Leben zu erhoffen, das uns der Glaube verheißt.
Gib uns durch seine Auferstehung die Gnade,
das Ziel unserer Pilgerschaft zu erreichen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. AMEN.
Hinführung zur ersten Lesung | Jes 50,4–7
In der Verbannung des Volkes Israel in Babylonien
entstanden die vier Gottesknechtslieder.
Der Gottesknecht wird von den Menschen
verworfen, geächtet und gequält;
aber Gott stellt sich hinter ihn.
Es ist eine Erfahrung, die Menschen immer wieder machen müssen
Gott zeigt seine Größe im Mitleiden mit den Leidenden.
Die Kirche hat von Anfang an
das Schicksal des Gottesknechtes
auf Jesus gedeutet.
Hinführung zur zweiten Lesung | Phil 2,6–11
Der Apostel Paulus
überliefert das älteste,
uns bekannte Christuslied der Urkirche.
Es beschreibt das Heilswerk Jesu Christi,
zuerst die Hingabe Jesu
bis zur Erniedrigung am Kreuz
und dann die Erhöhung Jesu zu Gott
sowie die Teilhabe an Gottes Herrschaft.
Lesehinweis
Babylonien | offenes A, y wie i
Meditation
Noch sehen die Menschen,
was sie selber sehen wollen,
Den neuen starken Mann,
der ihre politische Phantasie beflügelt.
Zum König wollen sie ihn machen,
der auf einem Esel
in seine Königsstadt
unter lautem Jubel einzieht.
Er soll ihr König werden
und ihre Ziele umsetzen,
er soll tun,
was sie sich wünschen.
Doch Gott ist unverfügbar,
er ist jenseits menschlichen Zugriffs
inmitten der Welt
da für die Menschen.
Als Erlöser zieht er ein,
weitet die Blicke der Menschen,
sprengt alle Erwartungen,
schenkt Sinn und Fülle für alle.
Reinhard Röhrner
Meditation | Alternative
Da stehen sie an der Straße,
jubeln diesem Jesus zu,
ja preisen ihn als ihren König,
den neuen David.
Da stehen sie an der Straße,
die Begeisterten, die Jubelnden,
aber auch die Zweifler
und sicher manche Spötter.
Sie stehen alle an der Straße,
die etwas von ihm wollen,
dass er König sei
von ihren Gnaden.
Sie stehen alle an der Straße
und verstehen es nicht,
dass er mit Liebe und Friede
zu den Menschen kommt.
Er ist auf Augenhöhe
mit allen um ihn herum,
nicht von oben herab,
von Herz zu Herz.
Gott kommt auch zu uns,
will uns begegnen
in der Weite seiner Liebe
mit weit geöffnetem Herz.
Reinhard Röhrner
Meditation | Alternative II
Warum musste das sein?
Warum musste Jesus ausgerechnet
in diese Stadt gehen,
wo seine Gegner auf ihn warteten?
Hätte er der Konfrontation,
die so vorhersehbar war,
nicht ausweichen können
und einen anderen Weg gehen?
Bin nicht auch ich selbst
oft auf dem Weg,
der mich zur Konfrontation führt,
die sich schon abzeichnet?
Erlebe ich nicht immer wieder,
dass ich diesen Situationen
nicht einfach ausweichen kann
und der Weg vom Hosianna zum kreuzige ihn
auch für mich
oft ein kurzer Prozess ist?
Jesus geht den Weg,
er geht ihn mit der Fülle der Liebe
mit der er den Menschen
zu allen Zeiten begegnete.
Er geht auch meine schweren Wege mit
und macht mir Mut
in der Liebe zu Gott und Menschen
meinen Weg in der Welt zu suchen.
Reinhard Röhrner
